Herbstzeit ist die bessere Pflanzzeit
Wenn im März die ersten warmen Tage kommen, füllen sich die Gartencenter. Der Frühling gilt als die Pflanzzeit. Aus gärtnerischer Sicht ist das nachvollziehbar, aber nur die halbe Wahrheit: Für Gehölze, Hecken und die meisten Stauden ist der Herbst in der Regel der bessere Zeitpunkt. Zwei Punkte dazu, die selbst viele Gartenbesitzer: innen überraschen.
Überraschung eins: Wurzeln machen keine Winterpause
Die verbreitete Vorstellung: Im Winter steht die Pflanze still und beginnt im Frühling wieder von vorn. Eine europäische Studie unter Leitung der Universität Antwerpen, an der auch die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL beteiligt war, zeigt ein anderes Bild. Die Forschenden untersuchten 330 Bäume – Buchen, Birken, Eichen und Espen – an Standorten in Belgien, Spanien und Norwegen und werteten über 1000 Wurzelproben aus.
Das Ergebnis: Während der Stamm sein Wachstum einstellt, bilden die Wurzeln den ganzen Winter über weiter Holz – selbst bei Bodentemperaturen nahe dem Gefrierpunkt, und zwar an allen drei Standorten (Marchand et al., Nature Ecology and Evolution, 2025).
Für die Praxis heisst das: Eine im Oktober gepflanzte Hecke arbeitet unter der Erde weiter, während oben scheinbar nichts passiert. Sie geht mit einem etablierten Wurzelwerk in den ersten Sommer – und ist damit deutlich besser gegen Trockenheit gerüstet als eine Pflanze, die im April gesetzt wurde und im Juli noch am Anwachsen ist. Weniger Giesswasser, weniger Ausfälle, weniger Nachbesserung.
Überraschung zwei: Das Zeitfenster ist grösser geworden
Der zweite Punkt ist eine Folge des Klimawandels – ausnahmsweise eine, die im Garten hilft. Agroscope hat die thermische Vegetationszeit in der Schweiz ausgewertet: Zwischen den Normperioden 1961–1990 und 1991–2020 hat sie sich um 15 bis 20 Tage verlängert. Sie beginnt früher und endet später (Calanca et al., Agrarforschung Schweiz 14, 2023).
Das Herbstfenster ist also nicht mehr das gleiche wie vor dreissig Jahren. Wer sich früher am Kalender orientiert hat, arbeitet heute mit veralteten Daten – gepflanzt wird, solange der Boden offen ist, nicht bis zu einem fixen Datum.
Was das konkret bedeutet
Gut geeignet für die Herbstpflanzung sind laubabwerfende Gehölze, Hecken, die meisten Stauden und Rosen sowie Blumenzwiebeln für das Frühjahr – bei Letzteren gibt es zum Herbst schlicht keine Alternative.
Zwei Einschränkungen gehören zur Ehrlichkeit dazu: Immergrüne und frostempfindlichere Arten sind heikler, weil sie über den Winter weiter Wasser verdunsten. Und in staunassen, schweren Böden ist die Frühjahrspflanzung oft die sicherere Wahl. Was auf Ihrem Grundstück gilt, entscheidet sich vor Ort – Bodenart, Exposition und Lage sind zwischen dem Zürcher Oberland, der Stadt Zürich und im Gebiet rund um den Zürichsee verschieden genug, dass sich eine pauschale Antwort verbietet.
Jetzt ist der Moment
Für eine Herbstpflanzung in diesem Jahr ist jetzt der richtige Zeitpunkt für ein Gespräch. Planung, Pflanzenbestellung und Ausführung brauchen Vorlauf – wer im Oktober pflanzen will, sollte im August oder September anfangen.
Melden Sie sich für ein unverbindliches Gespräch vor Ort: 044 937 38 64 oder info@zuest-gruengestaltung.ch
Übrigens: Der Herbst ist bei uns eine der intensivsten Zeiten im Jahr. Wenn du Landschaftsgärtner:in bist und Lust auf ein Team mit kurzen Wegen hast – unsere offenen Stellen findest du unter Jobs. Ein Motivationsschreiben brauchen wir nicht.