Fassadenbegrünung - wenn Grün in die Vertikale wächst
Mitten im Zürcher Langstrassenquartier, zwischen dicht bebauten Häuserzeilen, liegt ein Innenhof von gerade einmal rund 50 Quadratmetern. Viel Platz für Grün bleibt hier nicht. Zumindest nicht am Boden.
Bei einem unserer Projekte in einem Innenhof an der Langstrasse war die Vorgabe klar: Trotz dichter Bebauung sollte auch hier Grün seinen Platz finden. Die Lösung lag nicht in einer grösseren Pflanzfläche – sondern an der Fassade.
Wenn der Platz knapp wird, gewinnt die Vertikale
Zürich wird dichter. Grundstücke werden intensiver genutzt und freie Flächen sind gerade in innerstädtischen Quartieren knapp. Gleichzeitig werden begrünte Stadträume wichtiger – für das Mikroklima, die Biodiversität und die Aufenthaltsqualität.
Fassaden bieten hier ein grosses Potenzial. Mit vergleichsweise wenig Platz am Boden können grosse zusätzliche Grünflächen entstehen. Kletterpflanzen beschatten die Gebäudehülle, kühlen durch Verdunstung und schaffen zusätzliche Lebensräume für Insekten und Vögel.
Ein kleiner Innenhof mit grosser Wirkung
Der Innenhof unseres Projekts umfasst rund 40 bis 50 Quadratmeter. Kein Ort für einen grossen Garten – aber durchaus genug Raum für ein durchdachtes Begrünungskonzept.
Im Zentrum wächst eine Säulen-Hainbuche (Carpinus betulus 'Fastigiata'), deren schmale Krone auch in diesem engen Stadtraum funktioniert. Einheimische Blütenstauden und Farne ergänzen die Bepflanzung.
Der eigentliche Blickfang entsteht jedoch an der Fassade.
Dafür haben wir eine bodengebundene Begrünung mit Aristolochia macrophylla, der Grossblättrigen Pfeifenwinde, gewählt. Sie kommt mit dem schattigen Standort gut zurecht und entwickelt grosse Blätter. Mit der Zeit wird daraus eine grüne Fläche über mehrere Geschosse.
Eine Kletterpflanze braucht mehr als eine Wand
Bei einer Fassadenbegrünung denkt man zuerst an die Pflanze. Mindestens genauso wichtig ist aber die Konstruktion dahinter.
Die Pfeifenwinde wächst an einem rund zehn Meter hohen Klettersystem aus Edelstahlseilen empor. Für Planung und Montage haben wir mit Jakob Rope Systems als spezialisiertem Fachpartner zusammengearbeitet.
Gerade bei einer aussen gedämmten Fassade ist die Befestigung entscheidend. Das System muss dauerhaft sicher verankert sein und gleichzeitig den Anforderungen der Gebäudehülle Rechnung tragen.
Eine gute Fassadenbegrünung beginnt deshalb lange bevor die erste Pflanze gesetzt wird.
Unser Tipp aus der Praxis
Bodengebundene Fassadenbegrünungen sind eine vergleichsweise einfache und nachhaltige Möglichkeit, grosse Flächen zu begrünen. Die Pflanzen wurzeln direkt im Boden oder in dafür vorgesehenen Pflanzflächen – aufwendige Versorgungssysteme an der Fassade sind nicht notwendig.
Entscheidend sind die richtige Pflanzenwahl, genügend Wurzelraum und eine Kletterhilfe, die von Anfang an auf Pflanze, Gebäude und spätere Pflege abgestimmt ist.
Mehr als Gestaltung
Eine begrünte Fassade verändert nicht nur das Erscheinungsbild eines Gebäudes. Die Pflanzen beschatten die Oberfläche und geben über ihre Blätter Feuchtigkeit an die Umgebung ab. Dadurch entsteht ein natürlicher Kühlungseffekt.
Gerade in dicht bebauten Stadtquartieren kommen mehrere Vorteile zusammen: zusätzliche Vegetation, Beschattung, Lebensraum für Tiere und eine angenehmere Umgebung für die Menschen, die dort wohnen.
Das eigentliche Ergebnis entsteht mit der Zeit
Bei der Fertigstellung sieht man zunächst vor allem die Konstruktion. Die Pflanzen sind noch klein und grosse Teile der Fassade bleiben frei.
Das ändert sich Jahr für Jahr.
Die Pfeifenwinde wird sich über das Seilsystem nach oben arbeiten und den Charakter des Innenhofs zunehmend verändern. Aus einer weitgehend unbegrünten Gebäudefassade entsteht Schritt für Schritt ein vertikaler Grünraum.
Damit das langfristig funktioniert, gehören Pflege und Unterhalt von Anfang an zum Konzept. Kletterpflanzen müssen geführt und zurückgeschnitten werden, Bewässerung und Nährstoffversorgung müssen stimmen und auch die Konstruktion muss kontrollierbar bleiben.
Fassadenbegrünung ist deshalb kein nachträgliches Dekorationselement. Sie ist ein Zusammenspiel aus Architektur, Konstruktion, Standort, Pflanze und Pflege.
Mehr Grün braucht nicht immer mehr Platz
Dieses Projekt zeigt, dass selbst auf wenigen Quadratmetern ein wertvoller Grünraum entstehen kann. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Fläche vorhanden ist – sondern wie man sie nutzt.
Gerade in dicht bebauten Quartieren liegt darin ein grosses Potenzial. Wo am Boden kaum noch Platz vorhanden ist, lohnt sich der Blick nach oben.
Denn manchmal reichen wenige Quadratmeter Boden, um viele Quadratmeter Grün wachsen zu lassen.