Adé brauner Rasen
Nach einigen heissen und trockenen Wochen sieht es in vielen Gärten ähnlich aus: Der Rasen verliert seine satte grüne Farbe, wird gelb und schliesslich braun. Schnell entsteht der Eindruck, bei der Pflege sei etwas falsch gelaufen.
Doch ein brauner Rasen im Sommer ist nicht automatisch ein Pflegefehler. Bei Hitze und Wassermangel reduzieren die Gräser ihr Wachstum. Die oberirdischen Pflanzenteile können dabei stark eintrocknen, während die Pflanzen im Wurzelbereich weiterhin leben.
Die Frage ist deshalb nicht nur: Wie halte ich meinen Rasen den ganzen Sommer grün? Sondern auch: Wie viel Wasser möchten wir dafür einsetzen – und ist klassischer Rasen an diesem Standort langfristig die richtige Lösung?
Wird brauner Rasen wieder grün?
In vielen Fällen: ja.
Sobald die Temperaturen sinken und wieder ausreichend Niederschlag fällt, können sich die Gräser regenerieren und neu austreiben. Eine braune Rasenfläche sieht deshalb oft schlimmer aus, als ihr tatsächlicher Zustand ist.
War die Trockenheit allerdings sehr lang, ist der Boden stark verdichtet oder war der Rasen bereits geschwächt, können einzelne Bereiche tatsächlich absterben. Bleiben nach Regen kahle oder lückige Stellen zurück, kann eine Nachsaat oder Sanierung sinnvoll sein.
Wie oft sollte man Rasen bei Hitze giessen?
Ein Rasen muss im Hochsommer nicht jederzeit sattgrün sein. Wer eine vorübergehend braune Phase akzeptiert, kann bei einem gut eingewachsenen Rasen durchaus abwarten, wie sich die Fläche nach der Trockenperiode regeneriert.
Wer den Rasen auch während längerer Hitzeperioden möglichst grün halten möchte, muss dagegen bewässern.
Dabei gilt: Lieber seltener und dafür gründlich wässern als jeden Tag ein bisschen. Häufige kleine Wassergaben befeuchten hauptsächlich die oberste Bodenschicht. Bei einer durchdringenden Bewässerung gelangt das Wasser tiefer in den Wurzelraum.
Am besten wird früh am Morgen gewässert. Wie häufig dies notwendig ist, hängt stark von Boden, Lage, Temperatur und Niederschlag ab. Ein leichter, sandiger Boden trocknet beispielsweise deutlich schneller aus als ein tiefgründiger Boden mit guter Wasserspeicherfähigkeit.
Wie hoch sollte man Rasen im Sommer mähen?
Bei Hitze sollte der Rasen nicht zu kurz geschnitten werden. Etwas längere Gräser beschatten den Boden besser und reduzieren dessen Erwärmung und Austrocknung.
Als Orientierung kann ein Gebrauchsrasen während Hitzeperioden etwa 5 bis 6 Zentimeter hoch bleiben. Bei extremer Hitze und langsamem Wachstum kann auch einmal auf einen Mähgang verzichtet werden.
Kurz gesagt: Der perfekt kurz geschnittene Rasen ist im Hochsommer nicht unbedingt der gesündeste.
Darf man im Kanton Zürich den Rasen bewässern?
Eine generelle kantonsweite Regel, die das Bewässern von privaten Rasenflächen mit Trinkwasser grundsätzlich verbietet, gibt es nicht. Während ausgeprägter Trockenperioden sollte Wasser dennoch bewusst eingesetzt werden.
Je nach Situation können Gemeinden oder Wasserversorgungen zusätzliche Empfehlungen oder Einschränkungen erlassen. Es lohnt sich deshalb, bei längerer Trockenheit die aktuellen Informationen der eigenen Gemeinde beziehungsweise Wasserversorgung zu beachten.
Für Wasserentnahmen aus Seen, Flüssen oder Bächen gelten separate Bestimmungen.
Wo die Möglichkeit besteht, ist gesammeltes Regenwasser eine sinnvolle Alternative für die Gartenbewässerung.
Wie wird brauner Rasen wieder schön?
Nach einer Hitzeperiode lohnt es sich zunächst abzuwarten, welche Bereiche von selbst wieder austreiben. Bleibt der Rasen lückig, dünn oder stark geschädigt, kann er im Spätsommer oder Herbst gezielt regeneriert werden.
Welche Massnahmen sinnvoll sind, hängt vom Zustand der Fläche ab. Vertikutieren kann Rasenfilz und abgestorbenes Material entfernen. Bei verdichteten Böden hilft Aerifizieren, damit wieder mehr Luft und Wasser in den Wurzelraum gelangen. Kahle oder dünne Stellen können anschliessend nachgesät werden. Eine auf den Zustand des Rasens abgestimmte Düngung unterstützt die Regeneration und stärkt die Gräser.
Entscheidend ist dabei auch der Boden. Ist er stark verdichtet, zu wenig durchlässig oder kann kaum Wasser speichern, reicht eine oberflächliche Behandlung häufig nicht aus. Dann kann eine weitergehende Bodenverbesserung sinnvoll sein.
Bei sehr stark geschädigten Flächen ist manchmal eine komplette Rasensanierung oder Neuanlage die bessere Lösung. Dabei kann der Boden neu vorbereitet und gleichzeitig überlegt werden, welche Rasenmischung für Standort und Nutzung langfristig geeignet ist.
Nicht jeder braune Rasen braucht also eine Neuanlage – aber eine gezielte Sanierung kann aus einer geschwächten Fläche wieder einen dichten und widerstandsfähigen Rasen machen.
Rasen neu denken: Welche Alternativen gibt es?
Für intensiv genutzte Bereiche – zum Spielen, Liegen oder als robuste Aufenthaltsfläche – hat ein klassischer Rasen weiterhin seine Berechtigung.
Aber nicht jede Grünfläche wird intensiv genutzt. Gerade an sonnigen und trockenen Standorten lohnt es sich deshalb, über Alternativen nachzudenken.
Eine Möglichkeit ist ein Blumenrasen aus verschiedenen Gräsern und niedrig wachsenden Kräutern. Er wird weniger häufig gemäht und bietet gleichzeitig mehr Vielfalt und einen ökologischen Mehrwert. Je nach Standort können auch Blumenwiesen, trockenheitsverträgliche Staudenpflanzungen oder andere standortgerechte Begrünungen sinnvoll sein.
Dabei geht es nicht darum, Rasen grundsätzlich aus unseren Gärten zu verbannen. Vielmehr sollten wir uns fragen: Wo brauchen wir Rasen – und wo gibt es eine passendere Lösung?
Auch in unserem eigenen Schaugarten beschäftigen wir uns mit dieser Frage. Eine klassische Rasenfläche wird diesen Herbst durch einen Blumenrasen ersetzt. Wir werden beobachten und zeigen, wie sich die Fläche entwickelt und welche Erfahrungen wir damit machen.
Denn ein Garten muss nicht das ganze Jahr gleich aussehen. Entscheidend ist, dass Nutzung, Pflanzen und Standort langfristig zusammenpassen.